Unsere Bewerbung

Bewerbung um SPD-Vorsitz

Liebe Genossinnen und Genossen,
 
wir haben uns entschieden, gemeinsam für den Vorsitz der SPD zu kandidieren. Als Tandem mit unseren unterschiedlichen Lebenswegen, unseren Erfahrungen und mit den verschiedenen Perspektiven, aus denen wir auf unser Land blicken. Gemeinsam wollen wir die SPD wieder stark machen.
 
Die SPD ist im 19. Jahrhundert im Kampf für die Demokratie und die Würde der Arbeit entstanden. Heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, wird sie unverändert gebraucht, gerade weil eben dies immer wieder neu auf dem Spiel steht.
 
Denn die Welt, in der wir leben, ändert sich rasant. Angesichts von Globalisierung und schnellem technischen Wandel sind sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger nicht mehr sicher, ob die Zukunft für sie und ihre Kinder besser sein wird. Ob sie auch dann gut zurechtkommen werden. Diese wachsenden Unsicherheiten haben sozialdemokratische Parteien in vielen Ländern Europas geschwächt; auch unsere. Rechtspopulistische Parteien antworten auf diese Verunsicherung mit nationalistischen Parolen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie damit Erfolg haben und unserem Land schaden.
 
Es geht darum, neue sozialdemokratische Antworten auf die neuen Zeiten zu finden. Dazu gehört auch, als Partei wieder stärker in den Arbeits- und Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger verankert zu sein. Wir sind auch immer Teil der progressiven Bewegungen und Zivilgesellschaft. Und die ist bunter und vielfältiger geworden. Unser Anspruch Volkspartei zu sein, bedeutet auch, das Trennende immer wieder zusammenzuführen. Es geht uns um die neuen und alten sozialen Fragen ebenso wie den Einsatz für eine liberale Gesellschaft und die Anliegen der Jüngeren im digitalen Wandel.
 
Wir beide stehen für eine demokratische Zuversicht. Unsere Antwort auf den rasanten Wandel müssen wieder mehr Zuversicht und zugleich Sicherheit sein. Deutschland muss ein wirtschaftlich dynamisches Land bleiben, in dem neue Arbeitsplätze mit neuen Technologien entstehen.
 
Und es muss auch in Zukunft einen verlässlichen und starken Sozialstaat haben, der die Bürgerinnen und Bürger in ihren jeweiligen Lebenslagen unterstützt. Vieles ist heute nur noch in einem souveränen und einigen Europa möglich.
 
Die SPD steht unverbrüchlich dafür, dass jede und jeder den gleichen Respekt erfährt, unabhängig von Ausbildung, Arbeit oder Beruf. Leistungsträger sind nicht nur die, die sehr hohe Einkommen haben. Ordentliche Löhne, ein deutlich höherer gesetzlicher Mindestlohn sind richtig und gerecht. Und es ist ebenso richtig und gerecht, dass diejenigen, die hohe Einkommen oder Vermögen haben, einen größeren Beitrag zur Finanzierung unseres Gemeinwesens leisten.
 
Niemand darf sich in der Zeit schnellen Wandels alleine gelassen fühlen. Solidarität ist unverzichtbar. Eine Solidarität, die sich auf jeden einzelnen bezieht, aber auch auf Regionen, Kommunen und Branchen im Strukturwandel. Seit bald dreißig Jahren ist Deutschland wieder vereint. Insbesondere in Ostdeutschland haben die Bürgerinnen und Bürger große Aufbauleistungen vollbracht. Und doch bleibt es unverändert eine Aufgabe des ganzen Landes, gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West zu schaffen.
 
Seit Monaten gehen jeden Freitag viele Schülerinnen und Schüler auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Ihr Engagement hat uns allen deutlich gemacht, wie dringlich es ist, wirksame Schritte zu ergreifen, um den Klimawandel zu begegnen. Für uns sind Klimaschutz und sichere Arbeitsplätze kein Gegensatz. Im Klimaschutz liegt auch eine Chance für Deutschland als Hochtechnologie-Land. Wer den Klimawandel leugnet, verbaut die Zukunftschancen unseres Landes.
 
Die SPD gestaltet nicht nur den Wandel, den die neuen Zeiten mit sich bringen. Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten treiben wir gesellschaftlichen Wandel auch gezielt voran. Wir sind überzeugt, dass wir die Zukunft durch unser politisches Engagement besser machen können. Der Wille zum Fortschritt unterscheidet uns von den Konservativen. So haben wir für die Gleichstellung von Mann und Frau gekämpft, für die Ehe für alle, für eine moderne Einwanderungspolitik. Darum hören wir nie auf in unserem Bemühen um Gleichstellung und für eine gelingende Integration, denn Deutschland ist längst eine Einwanderungsgesellschaft.
 
Die SPD als Partei fußt auf dem ehrenamtlichen Engagement von so vielen, die bei Regen und Kälte in Fußgängerzonen stehen, die sich einsetzen in Ortsvereinen, in Stadtparlamenten und Initiativen. Wir sind davon überzeugt, dass wir wieder auf mehr Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger hoffen können, wenn uns zugetraut wird, die Probleme des Landes zu lösen.
 
Wenige Monate sind es noch, bis die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts beginnen. Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, von uns zu erfahren, wie wir dieses Jahrzehnt gestalten wollen. In den kommenden Wochen wollen wir auf den Regionalversammlungen im ganzen Land unsere Ideen dazu mit euch diskutieren.
 
Eure
Klara Geywitz und Olaf Scholz