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14.09.2019 Interview mit Klara

Interview Pforzheimer Zeitung

PZ: Frau Geywitz, die Umfragen für Sie und Olaf Scholz als Parteivorsitzende sind relativ gut. Warum werden Sie auf den SPD-Regionalkonferenzen trotzdem zum Außenseiter?

Klara Geywitz: Mein Eindruck von den Regionalkonferenzen ist anders: Alle Teams bekommen dort Applaus, selbst wenn Ihre Aussagen im starken Kontrast zueinander stehen. Klar ist, dass Olaf Scholz und ich nicht mit knackigen Forderungen auftreten, was auch damit zu erklären ist, dass er als Bundesfinanzminister solche vollmundigen Versprechungen bezahlen müsste. Und mit Blick auf Umfragen bin ich schon seit meinem Studium der Politikwissenschaften skeptisch, was ihre Verlässlichkeit angeht.

Wie soll ein Duo mit Olaf Scholz für einen Neuanfang stehen?

Olaf Scholz und ich sind eine gute Kombination. Er ist sehr regierungserfahren, hat ja nicht nur mit der Union regiert, sondern auch schon mit den Grünen im Bund und in Hamburg, dort sogar mal mit absoluter Mehrheit. Und ich komme stärker von der Basis und habe einen eigenen Blick auf viele Dinge. Ich glaube, gerade in einem Land, das vor großen Umbrüchen steht wegen der Digitalisierung und Globalisierung, ist eine solche Kombination gut.

Wo muss die Partei denn frischer werden?

Ein Resultat des Kandidaten-Wettbewerbs ist doch, dass man sieht, wie viele tolle SPD-Frauen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten es in unserer Partei gibt. Das finde ich wichtig, weil die SPD noch immer als eine ziemlich männerdominierte Partei wahrgenommen wird. Olaf Scholz und ich haben uns vorgenommen, die Partei partnerschaftlich als Mann und Frau zu führen. Das ist mir wichtig, weil ich auch in Brandenburg am ersten Parité-Gesetz beteiligt war. Mehr Frauen würden der SPD sehr guttun.

Auf ihrer Homepage verwenden Sie den Schriftzug „Für eine SPD, die wieder stolz auf sich sein kann“. Wie möchten Sie den Stolz der Partei wiederherstellen?

Es ist schon ganz wichtig, dass man von sich begeistert ist, ansonsten kann man andere Menschen nicht begeistern. Wir hatten nach dem Rücktritt von Andrea Nahles eine schwierige Situation, die Umfragen waren schlecht und dass, was wir eigentlich gutes in der Bundesregierung gemacht haben, bestimmte nicht die sozialdemokratische Gefühlswelt. Die Partei ist bekanntlich zu großen Emotionen fähig, im Guten wie im Schlechten. Die Kandidatenkür ist ein Beispiel für eine positive Emotion, der ganze Prozess hilft uns, wieder Mut zu fassen und uns an uns selbst aufzurichten.

Die SPD hat ein Problem mit sich selbst, was man daran sieht, wie sie mit den Vorsitzenden umgeht. Was soll sich da in Zukunft ändern?

Man sieht bei den Konferenzen, dass das ein heilsamer Schock war. Viele Politiker bewerben sich in einem solidarischen Wettbewerb um eine Position. Keiner der Kandidaten legt den Fokus darauf, die anderen anzugreifen. Wer auch immer das Rennen um den Parteivorsitz im Duo macht, kann sich der Unterstützung von vielen Sozialdemokraten sicher sein, die genau für Ihn und Sie gestimmt haben. Wenn wir diese Frage geklärt haben und die Frage nach der Großen Koalition, besteht kein Anlass mehr für Selbstbeschäftigung.